Projekt Overlock – Pfeif auf die Pfaff

Seit fast 40 Jahren nähe ich mit Begeisterung – Kleidung, Quilts, Taschen. Allerdings ausschließlich auf einer Nähmaschine – an eine Overlock und damit die mögliche Verarbeitung von dehnbaren Stoffen dachte ich erst 2014, nachdem mein Enkelkind auf die Welt gekommen war. Nach einigen Wochen des Hin- und Herüberlegens suchte ich schließlich einen Pfaff-Fachhändler auf, um mich beraten zu lassen.

Warum Pfaff? Zum einen, weil das der einzige Nähmaschinenfachladen in der Nähe ist und zum zweiten bin ich seit über 30 Jahren begeisterte Nutzerin von Pfaff-Nähmaschinen. Meine zweite läuft schon über 17Jahren überaus zuverlässig und ich vertraute darauf, dass der Name Pfaff für Qualität stand. Ihr bemerkt die Wahl der Vergangenheitsform?

Ich kam also vor drei Jahren fröhlich mit einer Pfaff Hobbylock 2.0 nach Hause. Nicht gerade preiswert, aber auch nicht so teuer. Immerhin wußte ich nicht, ob und wie ich mit einer Overlock klar kommen würde. Im Laden hatte man mir nur kurz das Einfädeln gezeigt und schon bei der zweiten Naht machte ich den Fehler, eine Stecknadel im Stoff stecken zu lassen.

Also Untermesser ausgewechselt. Ansonsten war alles normal. Ich nähte drei Jahre lang mit zunehmendem Vergnügen T-Shirts, Jacken und Kleidchen für Poppy und die anderen Enkelkinder, und manchmal auch Shirts und Hoodies für meine großen Familienmitglieder.

Der Ärger fing vor ein paar Wochen an. Beim Nähen eines Hoodies für meinen Liebsten rissen plötzlich die Nadelfäden, mal der rechte, mal der linke. Hatte ich vorher auch schon ein paar Mal gehabt, aber jetzt passierte es dauernd. Kennt ihr das knackende Geräusch, wenn der Nadelfaden reißt? Gruselig. Egal, ich fädelte neu, nähte weiter, fädelte erneut, spielte an Fadenspannung und Füßchendruck, wechselte Nadeln und Garn, machte die Maschine sauber und irgendwann war der Hoodie fertig. Ich schob die Probleme auf den Stoff, ein Sommersweat, dessen Innenseite ich als reichlich rauh empfand.

Dann kam das nächste Projekt, ein kleines T-Shirt für die kleine Hamburger Deern. Der Faden riss bei jeder Naht, je dicker (z.B. beim Bündchen annähen), desto schneller. Insbesondere die Fadenspannung für die linke Nadel war katastrophal einzustellen. Auf 0 lief der Faden gut durch, auf 1 musste ich schon viel Kraft aufbringen, um ihn überhaupt ziehen zu können. Also brachte ich die Maschine zur Wartung zu dem Nähmaschinentechniker, der schon seit Jahren meine Nähmaschine wartet und der früher auch selber mal Pfaff vertrieben hat.

Er bemängelte das schlechte Stichbild, stellte etwas an der Maschine rum, erklärte, mehr könne er nicht tun und empfahl eine neue. Wobei er sonst nicht dazu neigt, gleich einen Neukauf zu empfehlen. Bei meiner Nähmaschine zum Beispiel rät er mir sogar ab, weil die so eine gute Qualität hat.

Ich probierte also zu Hause das kleine Shirt weiterzunähen – und es wurde auch fertig. Aber mit welch einem Aufwand. Ich ärgere mich heute noch über die unsaubere, aber sichtbare Naht beim Halsbündchen. Das Einfädeln dieser Maschine kann ich inzwischen im Schlaf.

Ein Anruf bei dem Pfaff-Händler, bei dem ich die Maschine gekauft hatte, ergab nur, dass diese eingeschickt werden müsse. Allerdings sei ja die Garantie abgelaufen und welche Kosten diesbezüglich auf mich zukommen könnten, wäre ungewiß. Na danke.

Im Internet fand ich dann einen Nähmaschinentechniker in Hamburg, über den auch nett berichtet wurde. Bei ihm erscheint man mitsamt Maschine, nimmt sich eine Stunde Zeit und guckt ihm beim Arbeiten über die Schulter.

Schon am Telefon hatte er mir nach Schilderung meines Problem geraten, die Maschine doch gleich in die Tonne zu treten, denn nach seiner Erfahrung seien gerade die Hobbylock-Maschinen „Supermarktqualität“. Dazu war ich jedoch zu dem Zeitpunkt noch nicht bereit und vereinbarte mit ihm einen Termin.

Letzten Donnerstag fand ich mich also mitsamt meiner kranken Overlock in seiner Kellerwerkstatt wieder und konnte zuschauen, wie man eine Maschine fachgerecht auseinander nimmt. Er hat wirklich jedes Einzelteil angeschaut, festgestellt, dass das Zusammenspiel von Greifer und Nadeln nicht richtig funktioniert und diese präzise aufeinander eingestellt. Er hat die Maschine liebevoll geölt, mir gezeigt, warum die Overlock (er nennt sie konsequent Überwendlichmaschine) beim schnellen Nähen davonläuft (zu schlecht ausgewuchtet) und sich dann den Fadenspannungsscheiben gewidmet. Blöderweise (er sagt aus Kostengründen) kann man nur alle vier Spannungsregler auf einmal ausbauen. Die hängen fest zusammen, so dass man auch an die einzelnen, und hier insbesondere an den schwergängigen linken, nicht rankommt. Er hat gepustet und gesäubert, aber die Spannung lässt sich einfach nicht richtig einstellen.

Dann hat er noch hier was eingestellt und da rumgedreht, alle Teile wieder zusammen gesetzt und die erste Probenaht gemacht. Auf einem einlagigen Webstoff. Ohne Fadenriss. Allerdings gefiel ihm das Stichbild nicht. Die Verschlingungen sitzen nicht richtig auf der Seite. Er zeigte mir, mit welchen Tricks man das ändern kann. Und dann griff er zu Jersey. Peng. Fadenriß gleich auf den ersten 5 Zentimetern. Neu eingefädelt, alles überprüft, Jersey genäht – peng. Beim dritten Mal hatten er und ich die Nase voll. Er schwor sich, nie wieder eine Hobbylock zur Reparatur anzunehmen, weil meine nicht die erste war, die er nicht wieder zum Laufen gekriegt hat und das nagte sichtlich an seinem Selbstbewußtsein. Er schrieb sogar „vergebliche Reparatur“ auf meine Rechnung. Und ich ließ mir von ihm eine Juki Overlock zeigen, probierte sie aus, bewunderte das wirklich viel schönere Stichbild und fuhr mit der neuen Maschine nach Hause.

Jetzt hab ich hier eine total überholte Pfaff Hobbylock 2.0 stehen, mit neuem Ober- und Untermesser, frisch geölt, optimal eingestellten Greifern – aber der Tendenz zu dauerndem Fadenriss. Ach ja, und die Stichplatte ist auch nicht mehr ganz in Ordnung, da fehlt eine Kettelzunge. Aber das ist nicht das Problem und ein Ersatz kostet einen halben Hunderter. Ob man den Fadenspannungsblock auch austauschen kann, weiß ich nicht. Wenn also jemand diese Maschine haben möchte – bitte melden. Wir werden uns sicher einig.

Über meine Erfahrungen mit der Juki werde ich in ein paar Tagen berichten. Ich hoffe, nur Positives.

Dieser Blogbeitrag gibt meine persönlichen Erfahrungen wieder und ist nicht gesponsort. Die Maschinen wurden alle von mir gekauft und bezahlt.

Und weil vernünftiges Handwerkszeug für kreatives Arbeiten enorm wichtig ist, verlinke ich diesen Beitrag mit creadienstag und der Linkparty zu Nähmaschinen und Co von greenfietsen.

 

5 Anmerkungen zu “Projekt Overlock – Pfeif auf die Pfaff

  1. Steffi

    Liebe Christiane,
    vielen Dank für diesen Bericht! Ich bin selbst seit einigen Jahren Näherin auf Pfaff-Maschinen. Mit meiner Nähmaschine und der Näh-Stick-Maschine bin ich bislang sehr zufrieden. Eine Overlock wird irgendwann auch noch bei mir einziehen, aber da bestätigt mich dein Bericht leider, hier doch mal auf eine andere Firma zurückzugreifen. Ich bin schon sehr auf deinen Juki-Erfahrungsbericht gespannt!
    Viele Grüße und möglichst wenig Fadenrisse wünsche ich dir!
    Steffi

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    1. Christiane Post author

      Hallo Steffi,
      ich war (und bin) auch sehr enttäuscht von der miserablen Qualität meiner Hobbylock. Mein erstes Projekt mit der Juki war sehr entspannt zu nähen. Ich habe mir vorgenommen, am nächsten Dienstag einen entsprechenden Bericht dazu zu posten.
      Liebe Grüße
      Christiane

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  2. Doris

    Viel Spaß mit Deiner Juki! Ich habe meine seit 2 Jahren und würde sie niemals gegen eine andere Marke tauschen.
    Lässt sich gut einstellen und auch einfach reinigen. Meine „normale“ Nähmaschine ist auch eine Juki, kann ich ebenfalls empfehlen.
    LG Doris

    Reply
  3. Carolin

    Hallo Christiane, vielen Dank für deinen Bericht! Es ist fast erleichternd auch mal etwas schlechtes zu lesen, ich kann deinen Ärger voll und ganz nachvollziehen. Ich habe eine Overlock von Singer und ich glaube auch dieser Hersteller ist „nicht mehr das, was er mal war“. Ich habe mich auch im Nähgeschäft beraten lassen, habe nicht die teuerste aber auch nicht die günstigste Maschine gekauft aber trotzdem wie ich finde, genügend Geld dort gelassen, um vernünftige Qualität erwarten zu können. Leider reißt auch bei mir der linke Oberfaden, wenn die Stoffe zu dick sind (zum Beispiel Bündchen an Ärmel nähen), immer und immer wieder. Ich rechne schon immer damit und das macht wirklich keinen Spaß. Ich konnte schon einmal den Vergleich bei gleichen Stoffqualitäten mit einer Elna machen und die lief wie Butter drüber… Die (relativ unfreundliche) Verkäuferin in Nähmaschinenladen meinte schon wiederholt es sei alles in Ordnung und deswegen nehmen sie sie auch nicht zurück. Ich hadere auch schon lange mit dem Kauf einer neuen Overlock, ärgere mich aber derzeit noch über den finanziellen Verlust der Singer, die ich erst letztes Jahr gekauft habe. Ich wünschte ich hätte wie du eine unabhängige Werkstatt in der Nähe, die mal auf Fehlersuche gehen könnte…
    Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Spaß mit deiner neuen Juki und hoffe, dass mit dieser Maschine auch wieder die Freude am Kleider nähen zurück kommt!
    Viele liebe Grüße,
    Carolin

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    1. Christiane Post author

      Hallo Carolin,
      du hast wahrscheinlich dasselbe Problem mit der Fadenspannung wie ich. Hast du nicht noch Garantie? Die würde ich auf alle Fälle einfordern.
      Ja und die vielen Lobhudeleien auf bestimmte Maschinen in einigen Blogs gehen mir auch auf die Nerven. Da ist es schwer, sich unabhängig zu informieren, auch wenn immer alle beteuern, ihre Meinung sei unbeeinflusst vom Sponsor. Wer beißt schon die Hand, die sie füttert?
      Viele Grüße und ich drück die Daumen wegen der Garantie.
      Christiane

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