Heiraten auf indisch

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Am 19. November 2018 standen die Sterne so günstig, dass sich alleine in Neu-Delhi mehrere zehntausend Paare das Ja-Wort gaben. Wir waren zu einer dieser Hochzeiten eingeladen, welch ein Erlebnis! Eine indische Hochzeitszeremonie besteht aus mehreren Teilen und geht über mehrere Tage.

Tag 1 – der Ringtausch
Ort: ein Hotel in einem Vorort von Delhi

Auf der Bühne eines großes Raumes steht ein prunkvolles Sofa, auf dem das Brautpaar Platz nimmt. Neben der Bühne eine kleine Tanzfläche, indische Diskomusik erfüllt den Raum. In breiten Reihen vor der Bühne sitzen die Gäste, Servierkräfte schieben kleine Wagen mit leckeren Snacks durch die Gänge. Als Getränk wird ausschließlich Wasser in kleinen Gläsern angeboten. Zwei Fotografen und ein Beleuchter halten jede Minute des Ereignisses fest. Nach und nach begeben sich die Gäste auf die Bühne, um dem Paar zu gratulieren und sich mit ihm fotografieren zu lassen.

Dann tritt der Bräutigam ab und die verheirateten Frauen beider Familien und Freundinnen umringen die Braut und geben gute Ratschläge für die Ehe.

Danach tauscht das Brautpaar unter Blitzlichtgewitter die Ringe und die Familie des Bräutigams verspricht, die Braut als ihre Tochter zu akzeptieren und die Verantwortung für ihr Wohlbefinden zu übernehmen. Eine Geschenkeorgie bricht aus. Die Eltern des Paares beschenken sich gegenseitig, die Brauteltern überschütten die Geschwister des Bräutigams mit Geschenken: Kleidung, Schmuck und Geld. Sogar die Gäste bekommen einen hübschen Umschlag geschenkt. Inhalt: ein Geldschein.

Nach dem gemeinsamen Essen vom Buffet wird getanzt, bis gegen 22.00 Uhr alle wieder nach Hause fahren, denn am nächsten Tag geht es weiter.

Tag 2 – Henna (Mehndi) und Gesang (Sangeet)

Ort: ein kleines Hotel in einem anderen Vorort von Delhi, in diesem Hotel ist die engere Familie der Braut untergebracht.

In einem großen Raum liegen einige mit Laken abgedeckte Matratzen auf dem Boden. Rundum stehen Stühle und Sofas, auf denen farbenfroh gekleidete Damen sitzen. Dieser Tag ist der Familie der Braut vorbehalten. Nur die Schwestern des Bräutigams dürfen mit dabei sein, er selber und seine Eltern sind zum Mittagessen mit ihren Gästen woanders.

Die Schwestern des Bräutigams haben für die Braut ein Geschenk mitgebracht: Hennapaste. Ein professioneller Hennakünstler wird nun in einer mehrstündigen Zeremonie Hände, Unterarme, Füße und Knöchel der Braut verzieren. Die Intensität der Hennafarbe soll Ausdruck der Stärke der Liebe des Paares sein.

 

 

Diese Tradition ist jedenfalls für die Braut äußerst anstrengend. Es dauert mehrere Stunden bis die Paste getrocknet ist und mit Zitronensaft (soll die Färbung verstärken) abgewaschen werden kann.Für die weiblichen Gäste ist ein zweiter Hennakünstler am Werk, der Hände und Arme verschönert.

Einige Frauen sitzen mit Trommeln auf den Matratzen, sie singen traditionelle Lieder, andere tanzen dazu.

Derweil haben sich die Männer größtenteils auf die angeschlossene Terrasse zurückgezogen und spielen Karten – um Geld.

Tag 3 morgens – Abschied von der Familie, Armreifen (Chooda) und Gebaumel (Kaleere)

Ort: wieder das kleine Hotel, Anwesende wieder nur die Familie der Braut und die Schwestern des Bräutigams

Ein Hindupriester (links, in orange) vollzieht mehrere traditionelle Handlungen, im Mittelpunkt stehen die Braut und ihre Eltern und Schwester, denn mit der Hochzeit verlässt die Braut offiziell ihre Familie, der Abschied wird tränenreich zelebriert.

Danach wird es fröhlich. Onkel und Tante der Braut streifen ihr eine Reihe von weißen und roten Armreifen über, die dann von ihren Verwandten als Zeichen ihres Segens berührt werden.

An den Armreifen werden sogenannte “Kaleere“ befestigt. Gehänge mit schirmförmigen Anhängseln, die Glück in der Ehe verheißen. Später schüttelt die Braut diese Kaleere über den Köpfen der anwesenden unverheirateten Frauen. Wem ein Teil dieser Kaleere auf den Kopf fällt, wird als nächste heiraten. Brautstraußwerfen auf indisch.

Tag 3 abends – Hochzeit

Ort: eine auf Hochzeiten spezialisierte Räumlichkeit mit großem Garten

Der edel gekleidete Bräutigam und seine Familie und Freunde treffen sich außerhalb. Begleitet von fröhlichen, tanzenden Gästen und viel Musik fährt der Bräutigam in einem prunkvollen Wagen zum Ort der Hochzeitsfeier.

Dort angekommen, begrüßt ihn die Familie der Braut und geleitet ihn zu einer Bühne.

Er wartet auf den Stufen auf seine Braut, die von ihren Eltern dorthin begleitet wird.

Die Braut ist in traditionelles Rot gekleidet und trägt als Hochzeitsschmuck einen großen Ring durch die Nase.

Wieder werden viele Fotos mit den Gästen gemacht. Hier das Brautpaar mit den Schwestern des Bräutigams. Mit Musik, Tanz und gutem Essen geht die Feier weiter. Das eigentliche Ritual der Hochzeit findet erst viel später statt, wenn die meisten Gäste gegangen sind (so auch wir). Daran nehmen nur die engsten Verwandten teil.

Fazit: Viel Farbenpracht, viel Lebensfreude, viel Gold, viel Musik – eine Erfahrung wert.

Alle Fotos: Axel Bloch

Anmerkung zu “Heiraten auf indisch

  1. Michaela

    Unglaublich und bunt und aufwändig und so fern! Wie schön, dass ihr dabei sein durftet.
    Und tolle Fotos, darfst du ausrichten.
    Nächsten Sommer gibt es hoffentlich ausführlich Gelegenheit zum Erzählen.
    Liebe Grüße in den grauen Norden.

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