Projekt Overlock – Willkommen Juki

In der letzten Woche habe ich geschildert, warum ich jetzt eine neue Overlock besitze, eine Juki 654DE. Seid Ihr schon gespannt, wie ich sie finde?

Beim Öffnen kommt mir aus dem Karton ein leichter Ölgeruch entgegen geweht, der aber nach einem Tag verflogen war. Schnell war die Maschine aus ihrem Styroporpanzer befreit und konnte sich schon mal auf ihrem zukünftigen Arbeitsplatz umschauen. Gleich fiel mir auf, dass die Juki zwar eingefädelt geliefert wird, aber die Fäden wurden abgeschnitten und um den Füßchendruckknopf gewickelt. Auch eine Methode, um Geld zu sparen, denn bei meiner Pfaff Overlock und auch bei meiner Coverlock waren immer Konen mit dabei. Das Zubehör kommt in einem streng riechenden Plastikbeutel daher, den ich gleich mal entsorge und den Kleinkram in ein anderes Kästchen packe.

Die beigelegten Nadeln haben keine Bezeichnung. Ein Anruf beim Händler ergab, dass man auch normale Nähmaschinennadeln verwendet könnte, Hauptsache es ist das System 130/705H. Da ich aber noch jede Menge Overlocknadeln habe, werde ich die erstmal aufbrauchen.

Das Einfädeln ist schnell gemacht, ich hab einfach meine Fäden an die vorhandenen geknotet, dann durchgezogen. Aber auch das manuelle Einfädeln sollte kein Problem sein, kommt die Juki doch mit einem eingebauten Einfädler für den unteren Greiferfaden. Sehr bequem, bei dem hab ich mir bei der Pfaff immer die Finger verknotet, was unter anderem auch daran liegt, dass ich Linkshänderin bin und mich schon ohnehin sehr verbiegen muss beim Einfädeln.

Endlich ist die Maschine nähbereit. Ich kann es kaum erwarten und greife schon zum ersten Stoffrest. Sehr schönes Stichbild, butterweiches Nähen, gut dosierbares Fußpedal, und so leise im Vergleich zur Pfaff. Außerdem läuft mir die Juki nicht weg, denn sie hat Saugnäpfe als Füße. Dafür fehlt ein Fadenauffangbehälter. Das fand ich erst blöde, aber inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, die Stoffreste gleich nach jeder Naht in meinen nebenstehenden Papierkorb zu entsorgen. Meinen Plan, mir einen Behälter selber zu nähen, habe ich zunächst mal ad acta gelegt.

Zum Glück komme ich auch mit der Bedienungsanleitung klar, die ich nicht nur ziemlich unübersichtlich finde (es stehen vier Sprachen unter- bzw. nebeneinander), sondern auch noch extrem schlecht übersetzt (und glaubt mir, ich kann beurteilen, wie schlecht eine Übersetzung ist, schließlich verdiene ich in diesem Metier meine Brötchen). Meine Maschine hat also „Garnableiterscheiben“ (das sind diese runden Scheiben, auf die man kleine Garnrollen setzen kann, auch Fadenablaufscheibe genannt) und „Dämpferhülsen“ (das sind die Konenhalter, auf die die Konen aufgesteckt werden). Man kann mit ihr „Hausgebrauch-Spulen“ verwenden, das Fußpedal mutiert zu einer „Fußsteuerung“ (auf die man übrigens nichts drauflegen darf, steht in der Bedienungsanleitung) und ich hab jetzt einen „Stoffauflagedeckel“, den man „Öffnen und Schleissen“ kann. Ganz zu schweigen von dem „Vorschub-Einstellknopf“ (sprich Stichlängeneinstellung). Und selbstverständlich werde ich Punkt 8 beachten und den Stoff nicht stoßen.

Aber wenn die Bedienungsanleitung das einzige Manko ist, kann ich damit leben. Ich les dann im Zweifel gleich den englischen Teil (der steht auch immer oben auf der Seite) und gut isses.

Jetzt aber los, das erste Projekt wartet. Zwei Bolerojäckchen Größe 86 und 104 wollen genäht werden. Der Stoff ist ein ziemlich fester, aber doch sehr dehnbarer Jersey. Das Differential ließ sich problemlos auf den Stoff einstellen, die Fadenspannung hab ich wie empfohlen beibehalten. Die beiden Jäckchen waren im Handumdrehen genäht. Nur der Freiarm, den die Pfaff hatte, fehlte mir bei den kleinen Teile doch etwas. Der war schon sehr bequem.

Mein nächstes Projekt war ein T-Shirt aus einem leichten Sommersweat. Meine Güte, hat der gefusselt. Die Maschine hat auch diesen Stoff problemlos verarbeitet. Danach bin ich dann mal mit meinem Staubsauger angerückt und wollte die Maschine von Fusseln befreien – aber da waren kaum welche. Komisch, meine Pfaff war immer schon nach einem halben T-Shirt komplett zugefusselt. Schön ist bei der Juki auch, dass man den besagten Stoffauflagedeckel seitlich wegschwenken kann und so auch die Greifer von der anderen Seite reinigen könnte, wenn es nötig wäre. War es aber nicht.

Soweit bin ich also schon sehr zufrieden und darum wagte ich mich an das Projekt, das meiner Pfaff seinerzeit den Garaus gemacht hat. Ebenfalls ein Sommersweat, aber eine etwas härter Qualität der Innenseite und zudem sehr dehnbar. Hier musste ich das Differential ziemlich hoch einstellen, dann lief alles wie am Schnürchen. Auch vier Stofflagen aufeinander waren kein Problem, unter anderem, weil man die Geschwindigkeit sehr behutsam über das Fußpedal steuern kann.

Fazit: Die Neuanschaffung hat sich gelohnt (wie bereits erwähnt, alles selbst bezahlt, kein Sponsor weit und breit).

Und weil vernünftiges Handwerkszeug für kreatives Arbeiten enorm wichtig ist, verlinke ich diesen Beitrag mit creadienstag und der Linkparty zu Nähmaschinen und Co von greenfietsen.

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