Auf der Suche nach dem Indian Summer – Teil 3

Ostküste der USA – September/Oktober 2017 – West Lampeter County Fair –

Bei der Planung unseres diesjährigen Urlaubs haben wir lange überlegt, ob wir die Rundreise lieber per gemietetem Wohnmobil oder per Auto mit Übernachtung in kleinen Pensionen machen wollten. Mit dem Wohnmobil sind wir 2013 durch Südkalifornien und dann zum Grand Canyon und durch das Death Valley bis zum Yosemite Park gefahren. Das war eine tolle Reise. Für unsere Südafrika-Rundreise 2016 entschieden wir uns für die andere Variante: Mietwagen und Übernachtung in Bed-and-Breakfast-Pensionen. Das gefiel uns auch sehr gut und wir haben gemerkt, dass wir so viel mehr Kontakt mit der Bevölkerung bekommen. Also mieteten wir auch dieses Mal ein Auto und suchten uns – meistens erst am Tag vorher – eine entsprechende Unterkunft. In Lancaster County landeten wir bei einem mennonitischen Ehepaar, Joyce und Mel, die beide fest in der Gegend verwurzelt sind. Von Joyce kam der Tipp, doch die „County Fair“ im Nachbarort Lampeter zu besuchen: „Good food, lots to see“.

Diese Ausstellung gibt es seit 1924. Zunächst wurden nur Arbeiten der Schüler der örtlichen High School ausgestellt, aber schon bald entwickelte sich die Sache weiter. Bereits ein Jahr später wurden schon Milchprodukte prämiert, später kamen Schweine und Kälber hinzu. Nach und nach gab es immer mehr auch kommerzielle Aussteller aus dem landwirtschaftlichen Bereich und 1958 wurde zum ersten Mal eine „Livestock Queen“ gekürt, also eine Königin des Viehs, die allerdings kurze Zeit später zu einer „Fair Queen“, also zur Königin der Ausstellung umbenannt wurde (vergleichbar mit unseren Wurzel-, Heide- und Eisköniginnen).

Im Mittelpunkt der Ausstellung standen Produkte, die von den Bewohnerinnen und Bewohnern der umliegenden Gemeinden hergestellt wurden. Eine Jury kürte die schönsten Teile, auch unsere Vermieterin Joyce hatte eine Pflanze aus ihrem Garten eingereicht. Eine riesige Halle war vollgestopft mit Exponaten, die besten/schönsten/größten bekamen Schleifen in blau, rot, gelb und lila. Die Vielfalt war enorm, von Quilts über selbstgemalte Bilder bis hin zu Produkten aus dem Garten.

 

 

Draußen gab es in der Tat leckeres Essen, zubereitet von örtlichen Gruppen der Pfadfinder, der Kirche und anderer Institutionen. Für die Kinder war ein Zelt mit Tieren zum Streicheln aufgebaut, darunter ein Dromedar, ein Känguru und eine Riesenschildkröte. Angeblich leben alle diese Tiere auf Bauernhöfen im Umkreis.

 

  

In anderen Zelten priesen örtliche Unternehmen ihre Dienste an, von Rechtsanwälten und Metallkünstlern über Hundeschulen und Landschaftsgärtner bis hin zu Versicherungen. Es gab Trecker und Autos anzugucken ebenso wie Kühe in einem Stall. Da die Ausstellung über drei Tage ging und wir nur am ersten Tag da waren, haben wir die große Pferdeschau verpasst. Das Gelände gehört der örtlichen Feuerwehr, die auch die Parkgebühr als Spende für ihre Arbeit betrachtete.

 

 

 

Interessant (und typisch amerikanisch) fand ich die „Stillkabine“ in der Ecke eines Zeltes. Das Zeigen von Brustwarzen in der Öffentlichkeit ist ja im prüden Amerika nicht erwünscht, so dass sich stillende Mütter in Ruhe mit ihren Babys in diese Kabine zurückziehen konnten. Übrigens – in Kalifornien ist das Stillen in der Öffentlichkeit per Gesetz erlaubt, davon sind wir hier in Pennsylvania noch weit entfernt.

 

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